Verhandlungen für einen Kulturhof in der Rigaer Straße

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Der bisherige Entwicklungs- und Verhandlungsprozess zum Gewerbehof Rigaer Straße 71 – 73 A … und die Ideen für den Kulturhof „Friedrichshainer MØBELTURM“

Eine Darstellung aus der Sicht der Mieterinitiative

AUSGANGSSITUATION – HISTORISCHER HOF und IG

Der Gewerbehof an der Rigaer Straße 71 – 73 A ist einer der ältesten Gebäudekomplexe im Kiez.

Vor dem Krieg war das Gelände in Besitz der Brüder Simon und Mechel Beiser, die beide von den Nazis ermordet wurden. Nach der Rückübertragung an die Erben stand das Gelände, auf dem sich unterschiedliche gewerbliche, soziale und kulturelle Nutzungen angesiedelt hatten, zum Verkauf. Seit vielen Jahren setzt sich eine Initiative bestehend aus den auf dem Gelände ansässigen MieterInnen dafür ein, dass möglichst viel von der historischen Substanz des Hofs erhalten oder sichtbar bleibt, und auf dem Gelände Soziales, Kultur und Freiräume erhalten werden.

MIETERINNEN-INITIIERTE GELÄNDEENTWICKLUNG

Aktuell betreibt der Bildungs- und Beschäftigungsträger BUF auf dem Hof Unterrichts- und Werkstatträume, der Verein zur alternativen Stadtraumnutzung e.V. initiiert Kunst- und Kulturprojekte und betreibt den Projektraum Antje Øklesund. Diese MieterInnen haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen.

Seit 2007 konnten in Zusammenarbeit mit dem Bezirk wiederholt der Kauf durch Investoren und damit auch der Totalabriss und die komplette Neubebauung verhindert werden. In den folgenden Jahren gab es von Seiten der NutzerInnen verschiedene konkrete Überlegungen, wie man eine nachhaltige soziale und kulturelle Nutzung sichern könnte, z. B. durch den gemeinschaftlichen Kauf mit Unterstützung von Stiftungen und in Zusammenarbeit mit anderen Initiativen, wie z. B. einer Demokratischen Schule.

Das Interesse der Immobilienwirtschaft an dem Grundstück war inzwischen so gewachsen, dass abzusehen war, dass die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung und Einflussnahme bezüglich bezahlbarem Wohnraum und Erhalt von Soziokultur immer schwieriger werden würde.

VERKAUF AN DIE CG GRUPPE

Der Prozess der MieterInnen-initiierten Geländeentwicklung wurde 2012 durch den Verkauf an die CG Gruppe beendet. Die Mieterinitiative entschied sich an diesem Punkt, sich mit Unterstützung des Bezirkes weiter für einen größtmöglichen Erhalt der historischen Substanz und den Verbleib von soziokulturellen sowie Integrations- und Bildungsprojekten auf dem Gelände einzusetzen. Dieser Ansatz wurde in zahlreichen öffentlichen Aktionen diskutiert.

UNSERE IDEE

Wir wollen uns für einen Ort für Kiezkultur einsetzen, um etwas von der kreativen Energie, die auf dem Hof bislang besteht, zu erhalten.

Wir möchten gerne die Möglichkeit wahrnehmen, uns für einen Ort zu engagieren, an dem Kiezkultur und Nachbarschaft gelebt werden kann. Garten, Kiezküche, Sozialcafé, ein Projektraum für Proben, Spiel und Konzerte, ein begehbares Dach für alle, Kinderspielmöglichkeiten und Terrassen für künstlerische Arbeiten – das zusammen könnte ein Ort für die Nachbarschaft sein, den es hier so noch nicht gibt. Der Kulturhof „AM FRIEDRICHSHAINER MØBELTURM“ kann Kiezkultur erweitern und zur Vielfalt verschiedener Interessengruppen und deren Verständigung durch alternative Ansätze beitragen.

VERHANDLUNGEN MIT DER CG GRUPPE

Wir als Mieterinitiative entschieden uns dazu, direkt mit der CG Gruppe Verhandlungen zu führen, in dem Bewusstsein, dass es sich dabei um denkbar unterschiedliche Interessen und ästhetische Ansätze handelt. Von Anfang an war dies ein streitbarer Widerspruch und es war klar, dass das Ergebnis nur zu einem kleinen Teil mit den eigenen Vorstellungen von sozialer Stadtentwicklung vereinbar ist.

In mehreren Verhandlungsrunden mit Politik, AnwohnerInnen und Investoren wurden Vorschläge erarbeitet und zu einem Teil in die Planung der CG Gruppe aufgenommen.

An der östlichen Seite des Geländes soll ein zur Straße hin offener Gewerbehof entstehen, der allen zugänglich ist. In diesem Hof, der dem Kiez ein neuer Anlaufpunkt für soziokulturelle Angebote sein soll, wird der Bildungs- und Beschäftigungsträger BUF der größte Mieter sein und Stadtraumnutzung e.V. die Entwicklung von Kunst- und Kulturprojekten fortsetzen können. Dafür stimmte die CG Gruppe dem Bau eines schallgeschützten Projektraums zu. Außerdem soll im Erdgeschoss darüber ein von Stadtraumnutzung e.V. und BUF gemeinsam betriebenes Stadtteilcafé entstehen.

Die historische Mauer, das Pförtnerhaus und Teile des alten Hofpflasters sollen in die neue Bebauung integriert werden. Im Rahmen von Auflagen des Landesdenkmalamtes werden Teile der zur Straße gelegenen Eckertschen Häuser für die Präsentation im neuen Bauensemble herausgelöst und konserviert.Es gibt zudem zahlreiche Vorschläge zur Präsentation der historischen Dimension dieses Geländes, die bisher noch nicht berücksichtigt wurden. Auch was die Zwischennutzung und die zukünftige kulturelle Bespielung des Kulturhofes anbelangt, gibt es noch keine verbindlichen Zusagen seitens der CG Gruppe.

DER AUSBLICK

Dieser Prozess ist noch immer nicht abgeschlossen, es gibt Widersprüche, die noch nicht gelöst sind und die Möglichkeit des Scheiterns ist nach wie vor da. Doch wir wollen weiterhin den Weg der Verhandlungen gehen und möglichst viel Freiraum und historische Substanz erhalten, damit nicht wieder nur eines von vielen Luxus-Wohncarrés entsteht, von denen es schon so viele in Berlin gibt. Wir möchten einen Ort erhalten und schaffen, der offen zugänglich ist für alle, der eine Aufenthaltsqualität besitzt für die BewohnerInnen im Kiez.

Drei Beispiele für die Integration von Kultur / Sozialem / Geschichte in das Projekt
der CG Gruppe und in unser Projekt AM FRIEDRICHSHAINER MØBELTURM.

DIE ECKERT’SCHE SILHOUETTE

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Ursprüngliche Gestalt und Größe der sogenannten „Eckert’schen Häuser“ – das sind die beiden Häuser direkt an der Rigaer Straße und die ältesten im gesamten Kiez, gebaut noch vor Entstehung des eigentlichen Gewerbehofs – sollen im Neubau kenntlich gemacht werden. Trotz Denkmalschutz dürfen diese Häuser abgerissen werden, es muss nur eine Dokumentation erfolgen (Auflage der Denkmalschutzbehörde).

Entstehungsjahr der Idee: 2013

Baujahr: voraussichtlich 2018

Signalfaktor: hoch

Spaßfaktor: mittel

Besonderheiten: Erhalt eines Teils der Geschichte

Umsetzungsfortschritt: Bisher noch keine Planungsgespräche Regelmäßige Betonung der Wichtigkeit einer solchen Baumaßnahme wegen des hohen Mehrwerts für Projekt und Kiez durch Stadtraumnutzung e.V.

Bisherige Zusage der CG Gruppe: Keine

DIE KLEINE BRÜCKE

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Eine öffentlich zugängliche Holzbrücke vom Dach des Cafés zum Dach des Pförtnerhäuschens.

Entstehungsjahr der Idee:  2013

Baujahr: voraussichtlich 2018

Signalfaktor: hoch

Spaßfaktor: hoch

Besonderheiten: Öffentlich begehbare Fläche, Ausguck,
Identifikationsobjekt.

Umsetzungsfortschritt: Bisher noch keine Planungsgespräche.

Regelmäßige Betonung der Wichtigkeit einer solchen Brücke wegen des hohen Mehrwerts für Projekt und Kiez durch Stadtraumnutzung e.V.

Bisherige Zusage der CG Gruppe: Keine

DER SPEZIAL KELLERRAUM

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Ein gut isolierter Kellerraum mit hohen Decken und großen Kellerfenstern, der sowohl für Veranstaltungen mit Livemusik, als auch für Veranstaltungen von und mit Kindern wie „Das Bällebad am Ende der Kellerrutsche“ oder für Zirkus-Workshops genutzt werden kann. Entstehen soll dieser Raum auf dem Hof AM FRIEDRICHSHAINER MØBELTURM.

Entstehungsjahr der Idee: 2013

Baujahr: voraussichtlich 2018

Signalfaktor: niedrig

Spaßfaktor: hoch

Besonderheiten: Möglichkeit regelmäßiger Kiez-Veranstaltungen.

Umsetzungsfortschritt: Erste Entwürfe liegen vor. Deckenhöhen wurden nach vielen Gesprächen endlich berücksichtigt. Informationen zu Schalldämmung etc. liegen Stadtraumnutzung e.V. noch nicht vor. 

Im Bauantrag ist der Raum fest eingeplant.

Bisherige Zusage der CG Gruppe: mündlich; Es wird einen solchen Raum geben, der den Anforderungen der geplanten Nutzung entspricht (Publikumsverkehr, Sicherheit, Lärmemissionsschutz, Belüftung etc.).

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